Liebes Tagebuch,
das Projekt "
Männer-WG: Fidel bis
Invalide" läuft an, und ich kann jetzt schon sagen, dass ich wenigstens im Ansatz verstehen und nachvollziehen kann, was es bedeutet, sich um einen
pflegebedürftigen Menschen zu kümmern, oder gar Kinder groß zu ziehen !
- => das ist eine Lebensaufgabe, das habe ich so langsam begriffen, die man nicht im Vorbeigehen erledigt !
Es kann aber auch total
schieflaufen, wenn
- man sich nicht ausspricht,
- der Partner nicht mitzieht,
- nicht gemeinsam plant und die Zeit und Aufgaben fair einteilt
oder
- ein sozial destruktives Umfeld einen verheerend kontaproduktiven Einfluss ausübt !
Wichtige Vorraussetzung für das praktische
Arbeiten, von den ganzen nervigen, formalen, teilweise
überregulierten bürokratischen
Angelegenheiten mal abgesehen, ist die
Zusammenarbeit mit dem
Pflegedienst das
A und
O.
a)
Arzt und
Gesundheitsschwester kamen gestern zur Erstuntersuchung, zeitlich nach Geriatrie u. Palliativstation: Gespräch, Amnanese, Tabletteneinstellung- und Überprüfung der Gesamtlage. Zwischendurch wurden Medikamente u. Pflegeutensilien von der Apotheke nach Hause geliefert.
b) Morgens und Abends kommt eine
Gesundheitskraft f. symptombegleitende Maßnahmen, die erst mal nichts mit der Pflege zu tun haben, sondern sich z.B. um die Einstellung von
Zucker- und
Blutwerten,
Katheterisierung kümmern. D.h. dass z.B. der Katheterwechsel nicht zur Pflege gehört.
c) Da eine "
Thrombosespritze" wegfällt, braucht jetzt nur noch morgens jemand kommen.
d) Möchte man pflegerische Hilfe haben, muss das noch mal
extra vertraglich festgelegt werden, kostet natürlich mehr. In meinem Fall brauche ich nur Anleitung für die pflegerische Maßnahmen, die ich später alleine erledige.
e) Über die
Medikamente sollte man sich in Ruhe mit
Arzt und
Pflegepersonal unterhalten, vll. fällt ja doch das ein oder andere pharmazeutisch erzeugte Medikament weg !
f) Was die
Auscheidungen wie
Urin und
Stuhlgang anbelangt, ist hier der Punkt angelangt, wo manche Menschen die Pflege anderer Menschen nicht übernehmen können und wollen. Es ist letztendlich aber nur eine
Gewöhnungssache, die am besten vonstatten geht, wenn man alle notwendigen
Schritte kennt und
dutzend mal durchgespielt hat:
- alles Arbeitsmaterial vorher organisieren und griffbereit in der Nähe positionieren:
- Unterlage, neue Windel, Handschuhe, Schüssel mit warmen Wasser + Waschlappen oder Feuchttücher, Stofftücher oder Handtuch, bei Bedarf Wundcreme, Abfalltüte
- Zimmer danach "stoßlüften" + Abfall geruchsfrei entsorgen
Denke ich an
Dieter und die
Schwerstbehindertenbetreuung in
Baesweiler während u. nach dem
Zivildienst, so hat seine
Mutter ihm im Bett einen
Einlauf gegeben, ein wasserundurchlässiges Tuch unter das Gesäß gesetzt und ihn in eine angenehme Position gebracht ... nach erfolgtem Stuhlgang gut gewaschen oder mit einem ganz einfachen
Lift ins
Badezimmer gebracht.
- Wichtig ist, die Hygienemaßnahmen einzuhalten und keine Türgriffe, Halterungen u. Ablagen durch Zeitdruck, Unachtsamkeit, hektisches und unkonzentriertes Arbeiten zu kontaminieren.
g) Nahrungszugabe, Flüssigkeitszufuhr, Wohlbefinden, Ruhe und Unterhaltung und vieles mehr in einem
Gleichgewicht zu halten, das ist schon eine Herausforderung, und kann niemals in
Eigenregie, sondern nur in Absprache mit dem anderen sich erfolgreich gestalten.
Und ist alles besprochen, so kommt es doch auch zu Pannen, die aber kompensiert werden können, wenn man im Vorfeld sich gut vorbereitet oder aus Fehlern gelernt hat ... das wäre erst mal der erste Eindruck.
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( Ach ja, da wäre noch die Sache mit dem Geld => da wird mir angst und bange, wenn ich an die vielen unterversorgten Menschen denke, die sich eine gute Pflege nicht leisten können )
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