Donnerstag, 30. August 2007

Biosprit-Aktien weiter unter Druck

von Volkmar Michler

Zu meinem Profit Radar vom Dienstag habe ich wieder einige Mails von Ihnen erhalten. Offensichtlich stößt das Thema auf großes Interesse bei Ihnen.

Guten Tag Herr Michler, super, dass Sie das Ethanol ins richtige Licht rücken. Wenn allerdings Ethanol aus Holz hergestellt wird, ist es eine feine Sache. Das wächst z.B. hier in der Schweiz noch immer reichlich. Aber Essen zu verbrennen ist eine Schande. Die Mexikaner büssen ja jetzt mit hohen Preisen für Mais. Gruss Werner H.

Sehr geehrter Herr Michler, natürlich ist bei Bio-Sprit zu beachten, dass er nur dann ökligisch sinnvoll ist, wenn dafür nicht andere Sauerstoffproduzenten wie Bäume gefällt werden. D.h. wenn der Erlös der für Bio-Sprit erzielt werden kann, dazu führt, dass Wüsten kultiviert werden, wäre das ein grosser Gewinn.

Sobald es möglich sein wird, aus dem Getreide-Abfall (also der ganzen Pflanze und nicht nur der Frucht) Ethanol zu gewinnen, führt das dazu, dass die Verrottung dieses Abfalls, welche ohnehin stattfindet, dazu genutzt werden kann, fossile Energie einzusparen und eben auch die Entstehung von CO2 zu vermindern.

Daher hätte es mich gefreut, wenn Sie nicht nur nach dem aktuellen Trend schreiben würden, sonder auch einen etwas weitern Blick vermitteln würden. Da die Bio-Sprit Stimmung gerade sehr negativ ist, wäre das natürlich auch der richtige Zeitpunkt, einzusteigen. Grüße,
Friedhelm H.


Nun erst einmal vielen Dank für die Mails. Zum Mail von Herrn H. möchte ich nur kurz anmerken, dass ich ganz bewusst nur von Biosprit und nicht von Biomasse gesprochen habe. Das ist ein ganz anderes Thema. Selbstverständlich ist mir klar, dass abgestorbenes organisches Material sich besonders zu Energiegewinnung eignet. Das wird ja gerade in Deutschland schon sehr erfolgreich betrieben. Mir ging es vor allem darum, Ihnen aufzuzeigen, warum trotz eines sich abzeichnenden Ethanol-Booms die entsprechenden Aktien nicht unbedingt mitziehen müssen.

Dazu passt auch die folgende Meldung, die ich vor ein paar Tagen erhalten habe:

Ethanol kann sogar mehr Smog-Tote verursachen

von Volkmar Michler

Mit dieser Nachricht haben wohl nicht wenigsten gerechnet. Eine US-Studio, die jetzt veröffentlicht worden ist, kommt zu folgendem Ergebnis: Wenn man von Benzin auf Ethanol umsteigt, dann wird dies sogar noch zu mehr Smog-Toten führen als bisher. Nach Angaben der Forscher sterben in den USA jährlich 4.700 Menschen aufgrund von Atemwegsproblemen, die durch Smog verursacht werden. Wenn man von Benzin auf Ethanol umsteigen würde, wäre die Zahl, vor allem in den Ballungsgebieten um Los Angeles herum noch höher.

Den Forschern ist natürlich bewusst, dass ein schneller Umstieg von Benzin auf Ethanol nicht möglich ist. Mark Jacobson, Prof. für Umwelt Engineering an der Universtät Stanford schreibt zu dieser Studie: „Unter dem Gesichtspunkt der Luftbelastung ist Ethanol nicht als Alternative zu bezeichnen.“ Wenn man Ethanol als Alternative zu fossilen Brennstoffen benutzen will, um die Abhängigkeit vom Öl zu reduzieren, ist das in Ordnung, den Treibhauseffekt durch den Autoverkehr wird man aber nicht reduzieren.

Mit dieser Studie zeigt sich, dass man offensichtlich beim Autoverkehr die klimaschonende Variante noch nicht gefunden. Mein Eindruck: Ethanol wird als Alternative auch in Zukunft eine Rolle spielen, wahrscheinlich aber auch nur ein Zwischenschritt sein. Was das für die Performance von Ethanol-Aktien bedeutet, mit dieser Frage lasse ich Sie jetzt allein. Denn ich bin schon wieder auf dem Weg nach Mainz ins TV-Studio zur nächsten Sendung der 3satBörse.

Gute Kurse

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